md Magazin

Interior | Design | Architecture

Ausgabe 8.2016

Kolumne InteriorPark. auf Seite 89

md Magazin Kolumne InteriorPark

Home is where the factory is

“Made in Germany” – der Slogan, mit dem in Großbritannien einst vor Importware gewarnt wurde, steht längst für solides Handwerk, für Stabilität und Sicherheit, er funktioniert als Qualitätssiegel und bedeutet deutsche Wertarbeit.

So wie Italien für Design, Frankreich für Essen und die Schweiz für Pünktlichkeit und Präzision stehen, steht Deutschland für Technik. Made in Germany weckt Vertrauen. Produkte, die diesen Stempel tragen, gelten weltweit fast automatisch als hochwertig.

Der Aufdruck der Losung auf Broschüren und Produkten befindet sich dort oft auf ausdrücklichen Wunsch von Kunden und Partnern hier produzierender Firmen, da er als schlagendes Verkaufsargument funktioniert. Selbst jüngste Skandale haben dem guten Ruf des Slogans nichts anhaben können, zu tief scheint er verankert.

Ist es aber wirtschaftlich sinnvoll, alles in Deutschland herzustellen? Was sind, neben dem guten Ruf und den kurzen Transportwegen, die Vorteile? Gibt es Nachteile?

Zu diesem Thema versammelte InteriorPark. im Herbst Vertreter von in Deutschland ansässiger und produzierender Firmen zu einer Podiumsrunde im InteriorPark Store Stuttgart.

Moderiert vom Architekturjournalisten Thomas Geuder (raumjournalismus) diskutierten Matthias Fuchs (Marketingleitung FSB), Cordula Jahn (Marketingleitung Findeisen), Angélique Krauter (Vertriebsleitung art aqua), Katrin Riedrich (Marketingleitung DLW Flooring) und Ulrich Sattler (Geschäftsführer Sattler Lighting).

Alle Teilnehmer schätzen kurze Wege, direkten Kontakt zu Partnern und Lieferanten, eine gut funktionierende und unkomplizierte Kommunikation. Sehr hilfreich ist das ähnliche Verständnis für oft sehr perfektionistische Ansätze, das bei KollegInnen im Ausland wohl hin und wieder für Kopfschütteln sorgt.

An die Auslagerung denkt bisher niemand, dennoch werden kleinere Dienstleistungen und Produkte, die andernorts wirtschaftlicher und ökologisch sinnvoller produziert werden können, auch dort eingeholt

Natürlich hat das alles seinen Preis und mancher Käufer wäre sicher eher dankbar, etwas wäre z.B. in Asien billiger produziert worden. Letztendlich schätzen die anspruchsvollen Kunden jedoch die qualitativen Vorteile und die daraus resultierende Nachhaltigkeit. „Homemade“ gibt Produzenten und Käufern ein gutes Gefühl, dafür ist man im Zweifel auch bereit, mehr auszugeben, sei es für einen Ettlinger Teppichboden, Leuchten aus Göppingen oder eine grüne Pflanzenwand und Linoleum aus Bietigheim.

Ein facettenreiches Thema, bei dem sich alle Repräsentanten auf ein Festhalten an der Produktion vor Ort, also „Made in Germany“ einigen konnten – zumindest für Artikel aus dem eher technischen Bereich. Andere Produkte oder Leistungen können sicher in anderen Ländern oder Kontinenten genauso gut oder besser hergestellt oder erbracht werden.

Jeder das, was er am Besten kann!