md Magazin

Interior | Design | Architecture

Ausgabe 6.2016

Kolumne InteriorPark. auf Seite 87

md Magazin mit Kolumne von InteriorPark.

Zahlreichen Produkten, sei es in der Lebensmittelbranche, der Modewelt, dem Möbeldesign etc. wird zur Aufwertung der Stempel der Nachhaltigkeit, der Umweltverträglichkeit, des fairen Handels aufgedruckt – oft willkürlich, ohne Hintergrund, denn, soviel ist sicher: sustainability sells!

Die aktuelle Re- und Upcyclingwelle hat viele Mitreiter, jeder will sein Stück vom Nachhaltigkeitskuchen abschneiden, da wird das Werbeversprechen schnell zum Werbeverbrechen!

Hier gilt es größtmögliche Transparenz zu gewährleisten, damit der eigentliche Sinn, nämlich die Wiederverwertung von Abfallmaterialien und die Vermeidung von Müll im Vordergrund bleiben.

Eine andere Herangehensweise an das Thema hat wenig mit dem Umweltgedanken zu tun:

Künstler und Designer setzten sich in den 1920er Jahren mit dem Umwidmen von Möbeln und deren Materialien, den sogenannte Readymades, auseinander. Alltagsgegenstände wurden fast unverändert zu Kunst erklärt. Zu einem der bekanntesten Vertreter dieser Strömung zählte Marcel Duchamp, der 1917 industriell gefertigte Keramik-Urinale zu Kunstobjekten ernannte.

Dieser Kunstansatz ist auch uns nicht fremd, indem wir Dinge zeigen, die eine Geschichte erzählen, deren Fortbestehen nichts mit ihrer ursprünglichen Bestimmung zu tun hat, die ästhetisch auf höchstem Niveau sind, oft auch mit einem Augenzwinkern betrachtet werden können:

Stühle, die aus alten Kühlschrankteilen und Vasen die aus Plastikabfall 3d-gedruckt werden, oder aus dem Material alter Getränkedosen bestehen, Kissen und Decken, die aus gebrauchten Jeansstoffen hergestellt werden, Pflanzgefäße, in deren Wände gemahlene Walnussschalen verarbeitet sind, Tische aus altem Bauholz, Garderobenhaken aus gepresstem Gras, beleuchtete Hocker aus ausgemusterten Straßenlaternen und vieles mehr.

Sobald die Wiederverwertung eines Rohstoffes natürlich eine größere Menge an Energie verbraucht, als wenn das so entstandene Produkt neu geschaffen würde, stellt sich wiederum die Frage nach Sinn – und Unsinn von Recycling. Die gleiche Frage stellt sich ebenso bei den verwendeten Schadstoffen – denn wer will diese schon wiederverwerten. Manche Fragen bleiben einfach offen …