Denkmalgeschützter Altbau, Baujahr 1904
2 Etagen, 55 + 110 = 165 qm

Der Stuttgarter Westen zählt zu den dicht besiedeltsten Stadtteilen Europas. Da kommt es einer Rarität gleich, ein noch ungenutztes Dach zu entdecken. Im unteren Bereich der späteren Maisonette Wohnung waren früher Bedienstete untergebracht, der obere Bereich diente als Bühne. Das Dachgebälk befand sich im Originalzustand. Installationen waren keine vorhanden.

Der untere Bereich der Wohnung ist in kräftigen und erdigen Farben gehalten. Der geölte Stäbchenparkett aus geräucherter Esche sorgt für eine warme Atmosphäre. Bei geöffneten Türen heben sich die bunten Räume deutlich vom schlichten, weißen Eingangsbereich ab und lassen Spannung entstehen.

Die rote Wandfarbe betont die Dunkelheit des Raumes. Das Lichtspiel der marokkanischen Leuchte wirkt lebendig und gibt dem Raum seine individuelle Atmosphäre. Der einfache Einbauschrank wird durch die vorgehängten, transluzenten Schiebeelemente aufgewertet. Die Tiefe lässt sich erahnen und erweitert den sonst engen Raum. Der schräge Ausbau mit Tür- und Regalelement wurde eigens entwickelt um zusätzlichen Stauraum zu schaffen. Durch den Anstrich mit roter Wandfarbe fügt er sich in den Raum ein und tritt in den Hintergrund.

Licht und Schatten entstehen durch eine Vielzahl an Kanten und Wandvorsprüngen. Der raue Putz unterstreicht die Konturen und gibt dem Raum Tiefe. Gegenüber angeordnete Spiegelbänder lassen diese Konturen um den Raum tanzen und das kleine Bad großzügig erscheinen. In den notwendigen Vormauerungen wurden dezent Stauräume integriert. Aufgebrochen wird diese graue, raue, erdige Stimmung durch das leuchtende Türkis der Glasfliesen der offenen Dusche.

In starkem Kontrast ist der obere Dachraum offen, hell und luftig leicht. Die Inszenierung des lichtdurchfluteten Daches wird durch die schmale Bühnentreppe erlebbar. Die Helligkeit des Raumes wird durch die Material- und Farbgebung hervorgehoben. Das Licht und die Farbe des Himmels lassen sich den Tag über verfolgen. Tageszeiten sind erlebbar und bestimmen die Stimmung im Raum. Gestalterisch liegt die Betonung auf der Horizontalen und den Dachschrägen – dadurch wird die geringe Raumhöhe optisch ausgeglichen.

Die eingebauten Elemente sind temporär und schlicht gehalten und unterstreichen die luftig, leichte Atmosphäre des Raums. Sie gehen auf den Bestand ein und heben die vorhandene Struktur hervor. Die lange Bank dient gleichzeitig als Stauraum.

Der bestehende Dielenboden der Bühne wurde komplett gebürstet und vollständig erhalten. Durch die weiße, glänzende Lackfarbe wird die ursprüngliche Struktur des Dielenbodens inszeniert. Historische Zitate, wie Risse, Brandmale und Unebenheiten erzählen viele Geschichten.

Der Kamin im Bestand wurde mit einer Bar umbaut und ergab in dem sonst offenen Raum eine neue Raumsituation. Durch die grüne Hinterleuchtung und die ebenfalls grüne Esstischleuchte hebt sich dieser Bereich dezent ab.

Eine Trennwand  wurde für die dahinter liegenden Schlafräume und das Bad eingezogen. Die aufgesetzten Paneele heben sich von der Wand ab und wirken durch eine Hinterleuchtung wie schwebend. Türen fügen sich fast unsichtbar ein. Das Raster dieser Wand findet sich in der gegenüberliegenden Bank wieder.

Der Raum des Bades wurde optimal genutzt. Der Einsatz der Badewanne unter dem Fenster lässt den Badenden den Verlauf der Wolken und die Dächer der Altstadt erleben. Natürliche Farben und  gespachtelter Putz geben dem Raum ein haptisches Erleben.

Die eingesetzten Leuchten zeichnen die Struktur der Wände nach und erzeugen eine warme, wohnliche Stimmung. Der Unterschrank des Waschbecken wurde eigens hierfür entwickelt. Er führt das schlichte, klassische Designs des Waschbeckens fort und bildet eine neue Einheit.

Um die Nähe zum Himmel auch im Schlafzimmer erlebbar zu gestalten, ist das Bett direkt unter den Fenstern platziert. Die minimale Betthöhe ist der Dachschräge geschuldet. Bett und Heizkörper vereinen sich zu einem eingebauten Element. Die Heizkörperverkleidung geht in Regale über und bildet eine Einheit, die als Fortführung der Wand wahrgenommen wird.