“Made in Germany” – der Slogan, mit dem in Großbritannien einst vor Importware gewarnt wurde, steht längst für solides Handwerk, für Stabilität, er funktioniert als Qualitätssiegel und bedeutet deutsche Wertarbeit. Made in Germany weckt Vertrauen. Was aber steckt dahinter? Wie viel “Made in Germany” verbirgt sich tatsächlich hinter Produkten und ist es überhaupt sinnvoll, so viel wie möglich hier zu produzieren, wenn etwas woanders besser hergestellt werden kann?

Zu diesem Thema versammelte InteriorPark. Vertreter in Deutschland ansässiger und hier produzierender Firmen zu einer Expertenrunde im InteriorPark Store Stuttgart. Moderiert vom Architekturjournalisten Thomas Geuder (raumjournalismus) diskutierten: Matthias Fuchs (Marketingleitung FSB), Cordula Jahn (Marketingleitung Findeisen), Angélique Krauter (Vertriebsleitung art aqua), Katrin Riedrich (Marketingleitung DLW Flooring) und Ulrich Sattler (Geschäftsführer Sattler Lighting).

Mit Made in Germany-Momenten eröffnete Herr Geuder die Runde, die auch ein großes Publikum einschloss: weltweit begegnet uns die Heimat, der Stempel Made in Germany prangt immer wieder auf Produkten, Deutschlandfähnchen wehen zwischen Küchen- produkten, sinnentleerte deutsche Wortfetzen finden eine neue Bestimmung in Restaurantnamen in Asien – was aber versprechen Käufer sich weltweit davon? Wofür steht dieses Klischee, das vergleichbar ist mit dem, dass Design aus Italien zu stammen hat, Uhren aus der Schweiz und Essen aus Frankreich?

Katrin Riedrich von der Firma DLW Flooring erklärt, die Produkte gälten automatisch als gut, das (nicht geschützte) Siegel stehe für Qualität und Sicherheit. Der Aufdruck “Made in Germany” auf ihren Broschüren und Produkten sei dort auf ausdrücklichen Wunsch von Kunden und Partnern vorhanden. Auch das “D” für Deutschland im Firmennamen stärke die Marke und wirke als Verkaufsargument im Ausland. Angélique Krauter von der Firma art aqua bestätigt die Nachfrage nach dem Label „Made in Germany“ aus dem Ausland. Gleiches berichtet Cordula Jahn von der Firma Findeisen vor allem von China und Russland, wo das Herstellungsland Deutschland für Funktionalität stehe und Qualität verspräche.

Selbst Skandale haben laut der anwesenden Runde dem guten Ruf von „Made in Germany“ nichts anhaben können, zu tief scheint er verankert.

Alle teilnehmenden Firmen haben Tina Kammer und Andrea Herold von InteriorPark vor Beginn der Zusammenarbeit vor Ort besucht und sich ein eigenes Bild machen zu können. Nicht zuletzt aufgrund der lokalen Produktionwar überall eine große Leidenschaft für ihre jeweiligen Produkte und die Marke zu spüren. Die hohe Qualität des Ergebnisses steht und fällt mit der Motivation und Identifikation der Angestellten und die ist in allen Fällen hoch. MitarbeiterInnen, die in Prozesse eingebunden werden und ihren Arbeitsplatz nicht durch Abbau aufgrund von Produktionsauslagerung bedroht sehen, sind gerne bereit ein großes Maß an Leistung zu erbringen.

Diesen Punkt greift auch Frau Jahn auf: “Wir sind Ettlinger” sagt sie und weist darauf hin, dass es zwei Jahre benötigt, um jemanden einzuarbeiten – die Sozialverantwortung für 70 Mitarbeiter wird hier großgeschrieben und auf das Wissen des Einzelnen gesetzt.

Auch Ulrich Sattler von der Firma Sattler Lighting ist weit davon entfernt, größere Wege in Kauf nehmen zu wollen. Er möchte weiterhin „in seiner Firma wohnen“ und alle Partner mit dem Fahrrad erreichen können. Er will sie verstehen, ihnen in die Augen schauen können. Die Leuchten sind dennoch weltweit erhältlich – das ist für ihn gelebtes „Made in Germany“, das er für die beste und einfachste Lösung hält.

Matthias Fuchs von FSB sieht ebenfalls den Vorteil in der unkomplizierten und direkten Kommunikation mit deutschen Partnern. Für eine Produktion in Deutschland spricht aus seiner Sicht auch, dass ausländische Partner dem deutschen Anspruch an den extrem hohen Standard häufig nicht folgen können oder wollen – ihnen erscheinen die Produkte oft “overengineered”.

An die Auslagerung denkt also niemand der TeilnehmerInnen. Sie alle schätzen kurze Wege, direkten Kontakt zu Partnern und Lieferanten, eine gut funktionierende Kommunikation. Sehr hilfreich ist das ähnliche Verständnis für oft sehr perfektionistische Ansätze. Dennoch werden Dienstleistungen und Produkte, die andernorts wirtschaftlicher und ökologisch sinnvoller produziert werden können, auch dort eingeholt. So lässt zum Beispiel Angélique Krauter von der Firma art aqua wissen, dass die Pflanzen für ihre grünen Wände in Amsterdam erworben werden, sie die Ideen – und Produktionswerkstatt aber unbedingt weiterhin in Bietigheim-Bissingen sieht. Und FSB greift für die Fertigung von einem Kleinstteil auf einen indischen Anbieter zurück, da in Deutschland kein Hersteller gefunden wurde und die Firma Sattler muss aus demselben Grund spezielle Platinen aus Asien beziehen.

Natürlich hat „Made in Germany“ seinen Preis, und wie Tina Kammer eingangs mit einem Augenzwinkern erwähnte, wäre mancher Käufer hin und wieder dankbar, etwas wäre z.B. in Asien billiger produziert worden.

Zu diesem Punkt berichtet bei der anschließenden Diskussionsrunde ein Architekt aus dem Publikum, dass er z.B. spezielle deutsche Aufzüge lediglich bei russischen Bauherren einbauen darf, da sie den deutschen Käufern bereits zu teuer geworden seien.

Ein facettenreiches Thema, bei dem sich an diesem Abend alle Teilnehmer auf ein Festhalten an der Produktion vor Ort, also „Made in Germany“ einigen konnten. Dies gilt, wie eine weitere Besucherin treffend feststellte, auf jeden Fall für den eher technischen Bereich – andere Produkte oder Leistungen können sicher in anderen Ländern oder Kontinenten genauso gut oder besser hergestellt oder erbracht werden.

Beim anschließenden Get-Together am letzten heißen Abend des Sommers gingen die Gespräche angeregt weiter.

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